Therapie: Thrombose
Diagnostik
- Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins einer
tiefen Venenthrombose:
siehe Tabelle 1
Tab. 1 Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit
des Vorhandenseins einer TVT (6)
Checkliste
Hauptpunkte- aktives Malignom (aktuell oder bis vor 6 Monaten behandelt)
- Lähmung, Gipsimmobilisation eines Beines
- kürzliche Bettlägrigkeit (>3 Tage) und/oder größere Operation innerhalb der letzten 4 Wochen
- umschriebener Schmerz entlang der tiefen Venenstränge
- Unter und Oberschenkelschwellung
- Unterschenkelschwellung >3 cm gegenüber gesunder Seite
- familiäre Belastung (>2 Verwandte ersten Grades und TVT)
Nebenpunkte- Trauma am symptomatischen Bein (< 60 Tage zurückliegend)
- Dellen bildendes Odem ausschließlich auf der symptomatischen Seite
- dilatierte oberflächliche Venen
- Hospitalisation innerhalb der letzten 6 Monate
- Erythem
Klinische Wahrscheinlichkeit
hoch
> 3 Hauptpunkte und keine alternative Diagnose
> 2 Hauptpunkte, 2 Nebenpunkte und keine alternative Diagnose
gering
1 Hauptpunkt, > 2 Nebenpunkte, aber alternative Diagnose vorhanden
1 Hauptpunkt, > 1 Nebenpunkt und keine alternative Diagnose
0 Hauptpunkt, > 3 Nebenpunkte, aber alternative Diagnose
0 Hauptpunkt, > 2 Nebenpunkte und keine alternative Diagnose
mittlere: alle anderen Kombinationen - Routinediagnostik zum Nachweis oder zum Ausschluss einer Venenthrombose:
Duplexsonographie (siehe Abb. 1).
- Indikation zur Phlebographie:
bei zweifelhaftem Duplex-Befund und vor chirurgischer Thrombektomie - Dimer Test: Notfallmäßig im Labor durchführbar. Bei negativem D-Dimer-Nachweis mit einer
Sicherheit von 97% Ausschluss einer tiefen Venenthrombose.
Bei positivem D-Dimer-Test keine Aussage bzgl. einer Thrombose möglich.
- Vor Beginn der Heparingabe Abnahme von 2 Gerinnungsröhrchen:
- 1 Röhrchen zur Kontrolle der Routinegerinnungsparameter
- 1 Röhrchen, welches im Kühlschrank aserviert werden sollte, ggf. zur Durchführung eines serologischen Thrombophilie-Screenings
- Behandlung mit niedermolekularem Heparin
- a) Subkutan und gewichtsadaptiert
- b) z.B. mit Fraxiparin 2 x tgl. z. B. 0,5 ml bei Körpergewicht < 50 kg, 2 x 0,6 ml bei Körpergewicht < 60 kg usw.
- orale Antikoagulation
- a) Präparat z.B. Marcumar
- b) Beginn am Tag der Diagnosestellung oder dem nachfolgenden Tag.
- c) Anzustrebender therapeutischer INR-Bereich zwischen 2,0 - 3,0.
- d) Ende der Heparin-Behandlung, wenn der INR-Wert für 2 Tage im therapeutischen Bereich liegt.
- e) Bei Kontraindikation für eine orale Antikoagulation (hämorrhagische Diathese, Blutung, floride Magen- Darmulcera, schwere Hypertonie, Schwangerschaft). Niedermolekulares Heparin in der jeweils für die Thromboseprophylaxe empfohlenen höheren Dosis bzw. in halbtherapeutischer Dosierung; in der Regel über 3 Monate.
- f) Acetylsalizylsäure ist nicht als Ersatz für die orale Antikoagulation geeignet.
- Adjuvante Therapie
Kompressionsverbände, später Kompressionsstrümpfe.
- Antikoagulation mindestens für 3 - 6 Monate
- Kompressionsbehandlungen mit Kompressionsstrümpfen mindestens für 6 Monate, nach proximaler tiefer Venenthrombose mindestens 2 Jahre.
- Vor Absetzen der Kompressionsbehandlung Kontrolle durch Phlebologen
Indikationsstellungen bei folgender Konstellation
- junger Mensch
- erste und ausgedehnte Thrombose.
- keine Thrombophilie
- kurze Anamnese
- Thromben umspült
- akute Bedrohung der Extremität




