Therapie: Medizinische Kompressionsstrümpfe
Sehr geehrter Patient, sehr geehrte Patientin,
für viele von Ihnen ist es sicher das erste Mal, dass Sie Kompressionsstrümpfe tragen. Wenngleich die Kompressionstherapie als die Basis der phlebologischen und lymphologischen Behandlung gilt und über viele Jahrhunderte ihre Wirksamkeit bewiesen hat, so ist sie beim Anwender trotzdem oft nicht besonders beliebt. Moderne Strumpfmaterialien sowie zahlreiche Hilfsmittel haben den alltäglichen Umgang mit der Kompressionstherapie heute zwar schon deutlich verbessert, doch bleiben oft noch Stolperfallen zurück.
Welche Tipps gibt es zum Anziehen der Kompressionsstrümpfe?
- Das Anziehen der Strümpfe ist am einfachsten am trockenen Bein mit Hilfe von Gummihandschuhen mit Noppen an den Fingerspitzen (Haushaltshandschuhe).
Lassen Sie sich das korrekte Anziehen der Kompressionsstrümpfe im Sanitätshaus demonstrieren, wenn Sie die Strümpfe ausgehändigt bekommen.
- Zusätzlich gibt es eine Vielzahl von An- und Ausziehhilfen, die das Anziehen der Strümpfe erleichtern können. Das Spektrum reicht von der kleinen Gleitsocke bis hin zum Gestell, auf das der Strumpf aufgespannt wird. Beratung zu diesen Hilfsmitteln finden Sie in Ihrem Sanitätshaus. Es ist ratsam, die entsprechenden Anziehhilfen nicht einfach nur nach einem Bild auszusuchen, sondern sie bereits vor dem Erwerb einmal auszuprobieren. Nicht für jeden Patienten ist jedes Hilfsmittel gleichermaßen geeignet.
Wie lange sollten die Kompressionsstrümpfe pro Tag getragen werden?
- Die Kompressionsstrümpfe sollten für die verordnete Dauer tagsüber kontinuierlich (mindestens 8 Stunden/Tag) getragen werden.
Nachts brauchen Sie die Strümpfe normalerweise nicht zu tragen. Insbesondere ist das Tragen der Kompressionsstrümpfe wichtig, wenn Ihre Beinvenen unter besonderem Stress stehen.
Dies ist vor allem der Fall bei langem Stehen oder Sitzen.
- Die Tragedauer der Kompressionsstrümpfe insgesamt hängt von der zu Grunde liegenden Erkrankung ab. Üblich sind folgende Zeiträume:
- Nach Krampfaderoperation: 6 Wochen
- Nach Schaum-Sklerosierung/ Verödung: vom ersten bis zum letzten Termin plus 3 Wochen
- Nach Besenreisersklerosierung/ Verödung: 1 Woche
- Nach einer Venenentzündung/ Thrombophlebitis: mindestens 2 Wochen, ggf. länger abhängig vom Verlauf der Rückbildung
- Nach einer Thrombose: mindestens 3 Monate, ggf. länger abhängig vom Verlauf der Rückbildung
- Bei einem schweren postthrombotischen Syndrom, Lymphödem, Ulcus cruris: meist lebenslange Therapie
Diese Angaben sind lediglich Richtgrößen und sind nicht auf alle Patienten übertragbar. Ihre individuelle Tragezeit besprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt.
Was sind typische Nebenwirkungen der Kompressionsstrümpfe?
Unter der Kompressionstherapie kommt es zu einem Peelingeffekt des Strumpfes auf der Haut. Dadurch wird diese trocken, kann Rötungen aufweisen und zu Juckreiz neigen. Daher sollten Sie Ihren Beinen am Abend, wenn Sie die Kompressionstherapie ablegen, eine reichhaltige Feuchtigkeitspflege gönnen.
Wie sollten die Kompressionsstrümpfe gepflegt werden?
Die Pflege der Kompressionsstrümpfe sollte streng nach den Anweisungen des Herstellers erfolgen. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Kompressionsstrümpfe nicht zu heiß oder mit Zusatz von Weichspülern gewaschen werden. Kompressionsstrümpfe gehören auch nicht in den Trockner oder auf die Heizung!
Was ist, wenn ich mit den Kompressionsstrümpfen nicht zurecht komme?
Die Kompressionsstrümpfe können nur dann optimal wirken, wenn Sie korrekt und regelmäßig angewendet werden. Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie mit Ihren Strümpfen nicht zurecht kommen oder diese nicht richtig sitzen, Ihren Einschnürungen oder Scheuerstellen verursachen, halten Sie bitte Rücksprache mit Ihrem Sanitätshaus oder Ihrem behandelnden Arzt, damit der Sitz der Strümpfe überprüft werden kann.
Wann brauche ich neue Kompressionsstrümpfe?
Moderne Kompressionsstrümpfe sind so gefertigt, dass sie den vorgeschriebenen Anpressdruck über mindestens 3-6 Monate halten sollten. Es ist dafür aber essentiell, dass die Strümpfe gut gepflegt werden. Zu Lasten Ihrer Krankenkasse kann ein neues Paar Kompressionsstrümpfe alle 6 Monate verordnet werden. Ausnahmen sind möglich, wenn sich die Beinform erheblich verändert hat.
Reichen nicht auch Stützstrümpfe?
Neben den medizinischen Kompressionsstrümpfen, die ein verordnungsfähiges Hilfsmittel sind, gibt es auf dem Markt frei verkäufliche Stützstrümpfe und auch die bekannten bei bettlägerigen Patienten im Krankenhaus angewendeten Antithrombosestrümpfe. Diese Strümpfe haben andere Anpressdruckwerte als die medizinischen Kompressionsstrümpfe und können diese daher nicht ersetzen.
Für weitere Informationen stehen Ihnen die Mitarbeiter des Venenzentrums gerne zur Verfügung!




